Tipps: Wie gewinne ich das Vertrauen meiner neuen scheuen Katze?

Das ANFASSEN von SCHEUEN Katzen ist TABU!! Scheue Katzen haben zwei Möglichkeiten, wenn eine Menschenhand auf sie bedrohlich zukommt:

  1. ANGRIFF als VERTEIDIGUNG vor Gefahr
  2. RÜCKZUG bzw. FLUCHT als Ausweichmöglichkeit vor Gefahr

Menschen, die nicht verstanden haben, was es bedeutet eine SCHEUE Katze zu adoptieren, kommen deshalb entweder mit Kratzspuren, oder in extremen Fällen sogar Bisswunden mit der Katze zu uns zurück, oder mit einer Mischung aus Verzweiflung und Wut, da die Katze nicht so schnell zur Schmusekatze wurde, wie sie dachten. 

Wie gewinne ich möglichst schnell das Vertrauen meiner neuen SCHEUEN Katze?

Bisher hat die Katze Menschen nicht als freundlich erlebt, deshalb ist Zeit & Geduld das Wichtigste, was ein Mensch einer scheuen Katze geben kann, um ihr das Gefühl zu vermitteln, dass nicht alle Menschen böse sind oder Böses im Sinn haben.

Ein vorübergehend EIGENES ZIMMER für die SCHEUE Katze als Rückzugsort sollte – je nach Scheuheitsgrad – für die ersten Wochen bzw. in extremen Fällen für Monate zur Verfügung stehen, damit sich diese ans neue Zuhause gewöhnt. Die meisten Katzen sind es im Tierheim jahrelang gewohnt gewesen, dass sie nur einen Aufenthaltsraum, sprich ein kleines Zimmer, als ihr ganzes Reich haben, und müssen sich auch erst an die dauernde Nähe zum Menschen gewöhnen

GEWÖHNUNG bedeutet nicht nur, sich an einen neuen Menschen zu gewöhnen, sondern für Katzen noch so vieles mehr, da ihre SINNE wesentlich MEHR WAHRNEHMEN als unsere. Es gibt für sie neue unbekannte Gerüche – nichts erinnert sie mehr an ihr vertrautes Gehege, das sie vielleicht sogar jahrelang als ihr einziges Heim kannten. Neue unbekannte Geräusche, die erst einmal für die scheue Katze erschreckend sind, und als bedrohlich eingeordnet werden. Neues unbekanntes Futternicht jede Futtersorte oder -marke schmeckt jeder Katze, denn Katzen fressen oftmals das, worin ihr aktueller Bedarf gerade liegt; ferner wird unbekanntes Futter von manchen Katzen sogar kategorisch abgelehnt. Was sowohl fürs Futter gilt, kann aber auch für die neue unbekannte Katzenstreu, oder eine unheimlich erscheinende neue Katzentoilette gelten.

Deshalb ist es wichtig, hier auch noch mal genau beim Tierpflegepersonal nachzufragen, und all diese Dinge zu notieren, und in Folge in kleinen Schritten Veränderungen im neuen Heim durchzuführen, sodass es letztendlich auch ein entspanntes Zuhause für die ängstliche Fellnase werden kann.    

  • Die NACHT als dunkler Freund: Futter wird meist erst dann gefressen, wenn die Katze alleine ist, oder erst spät in der Nacht, also immer erst dann, wenn sie meint ganz alleine, gesichert im Schutz der Dunkelheit, unterwegs sein zu können. Deshalb immer genügend Futter und Wasser ins Zimmer stellen und über Nacht stehenlassen! Dabei empfiehlt es sich mehrere unterschiedliche Arten von Schälchen und Katzenfuttersorten anzubieten, und am Morgen nachzusehen, ob der erste Schritt getan wurde. 
  • Schutzbringende HÖHLEN: Diese bieten ängstlichen Katzen Schutz & Sicherheit. Selbst ein simpler Karton löst Wohlgefühl bei Katzen aus. Von diesen Kartonkatzenhäusern sollten im neuen Zuhause (im vorübergehenden eigenen Eingewöhnungszimmer) einige vorhanden sein, da sie vielen Katzen geruchlich Geborgenheit bringen. Höhlen und Kartons dienen nicht nur als Versteck, wodurch sich scheue Katzen nicht mehr von allen Seiten her angreifbar fühlen, sondern dadurch gibt man als Mensch der Katze auch das Gefühl der freien Entscheidung, ob und wann sie sich zeigen will. Als Mensch erhält man beim Zuschneiden der Ein- und Ausgänge der einzelnen Kartons das Gefühl für seine Katze etwas Wertvolles zu konstruieren, denn nicht immer bieten Kratzbäume, vor allem am Beginn des Vertrauensprozesses, ausreichend Deckung und Schutz, und der merkwürdige Geruch eines neuen Kratzbaums kann zunächst sogar abschreckend wirken. 
  • GEWÖHNUNG an Menschen: Für Katzen spielt die Stimme eine wichtige Rolle, deshalb ist es das erste, womit die scheue Katze in ihrem neuen Zuhause vertraut gemacht werden muss. Dabei hilft es, sich in einiger Entfernung von der Katze ins Zimmer auf den Boden zu setzen, und in normaler Lautstärke z.B. aus einem Buch vorzulesen. In einigen Tagen bzw. Wochen wird die Neugierde überwiegen, und die scheue Katze wird anfangen sich anzunähern, vielleicht beginnt sie vorsichtig z.B. an einem Fuß zu schnuppern. Nun sollte nichts übereilt, oder gar nach der scheuen Katze gegriffen werden, sonst könnte sie beginnen, den Menschen wieder als bedrohlich wahrzunehmen. Die Handrückseite kann nach einiger Zeit angeboten werden, sodass die scheue Katze daran schnuppern kann – hier sollte nicht der übereilter Fehler des Streichelns gemacht werden – eine SCHEUE Katze zeigt, wann sie soweit ist, Nähe zuzulassen.
  • SPIELZEUG kann man immer versuchen anzubieten, ob nun Entspannungsduftkissen oder Catnip-Bälle, die man auch in der Nacht im Katzenzimmer liegen lassen sollte. Eine Katzenspielbahn ist empfehlenswert, wo man akustisch aus dem Nebenzimmer wahrnehmen kann, ob die scheue Katze vielleicht sogar aus Neugierde bereits ihrem natürlichen Jagd- und Spieltrieb nachgeht, wenn gerade niemand hinsieht. Gemeinsam können Spiele in weiter Entfernung versucht werden, dazu eigenen sich lange Spielangeln mit Federn oder der bloßen Schnur daran sehr gut. Diese Katzenangeln mit Schüren dran sind jedoch nach einer Spieleinheit aus Sicherheitsgründen immer wegzuräumen, da viele Katzen dazu tendieren, im Jagd- bzw. Spielmodus diese Schnüre zu verschlucken, was sogar zu einer Operation beim Tierarzt führen kann!!

Der Zeitpunkt eine Katze zu streicheln ist gekommen, wenn die vormals scheue Katze sich gegen euch drückt bzw. euch beschmusst, dann kann man den ersten Versuch wagen, die Hand langsam in Richtung Katze zu bewegen – am besten hier auch wieder erst nur den Handrücken zum Beschnuppern anbieten – damit die Katze noch immer das Gefühl hat, sie entscheidet von sich aus, ob sie mehr möchte, um damit völlig frei und selbstständig den Menschen in ihr scheues Herz zu lassen. Vielleicht wird sie erst nur kurze Berührungseinheiten zulassen, jedoch mit etwas Feingefühl und ohne Druck wird die Katze immer mehr Streicheleinheiten aktiv einfordern; damit wäre das Eis der Scheuheit endgültig gebrochen. Sie wird fortan immer mehr anzeigen, wie viel und wo sie gerne Berührungen haben möchte, und sollte der Fall des Schnurrens eintreten, dann herzlichen Glückwunsch, euch ist das Wunder gelungen aus einer ehemals scheuen Katze mit Geduld, Ausdauer und Liebe eine dankbare Schmusekatze zu machen.

Gratulation! Denn nur wenige Menschen schaffen es, scheuen Katzen so viel Zeit & Geduld entgegen zu bringen, dass sie Menschen wieder in ihr Herz lassen.